Das antike Griechenland

 


1. Griechische Städte


1.1. Athen

Die Stadt ist von Gebirgen umgeben, aber zum Mittelmeer hin offen. Sie entstand im 10. Jahrhundert v. Chr. Damals bestand sie aus einer einfachen Felsenburg , der Akropolis, die von zwölf rivalisierenden Städten umgeben war. Benannt wurde sie nach ihrer Schutzherrin, der Göttin Athene, der Tochter des Zeus. Nur Bürger von Athen, deren Vater und Mutter Griechen waren, durften am politischen Leben teilnehmen und Land besitzen. Die Fremden, Metöken genannt, trieben zumeist Handel. In der Stadt lebten viele Sklaven. Am Land betrieben die Athener Ackerbau, in der Stadt Handwerk und Handel. Die meisten Menschen lebten in ärmlichen Behausungen. Ihre Frauen mußten zuhause - im Gynäkeion - bleiben, sie hatten sehr wenig Freiheit. Die Knaben gingen erst in die Schule, dann ins Gymnasium. Die Erziehung des Geistes ist gleichrangig mit der körperlichen Ertüchtigung. Am politischen Leben nehmen die Athener aktiv teil. Beliebt sind Gastmähler, bei denen über philosophische Themen diskutiert wird. Der Hügel der Athen überragt, war früher eine Festung. Perikles machte im 5. Jahrhundert ein riesiges Heiligtum daraus. Prachtvolle Tempel - darunter der zu Ehren der Göttin Athene erbaute Parthenon sowie Erechtheion - prangten hoch über Athen und machten sie zur bedeutendsten Stadt der griechischen Welt. Feste und Spiele wurden zur Ehre der Götter veranstaltet: die Panathenäen, bei denen ein Festzug von Mädchen einen Schleier für die Göttin brachte, zu Ehren der Athene; die Dionysien, ein großes Theaterfest mit Aufführungen im Freien, zu Ehren des Dionysos. Die Athener kamen vor allem durch den Seehandel mit Produkten aus eigenem Anbau (Öl, Wein, Feigen) und des Kunsthandwerks (Vasen, Gewebe) zu Wohlstand.

1.2. Sparta

Sparta war ein Stadtstaat, der Athen den Vorrang streitig machte. Dort herrschte die Oligarchi, eine strenge Regierung, über das Volk. Die Knaben wurden mit einer harten Ausbildung zu Kriegern erzogen. Athen spielte im Gegensatz zu diesem kriegerischen Volk die Rolle des Kunstzentrums im antiken Griechenland. Im Peloponnesischen Krieg, in dem sich die beiden Stadtstaaten als Feinde gegenüberstanden, verliert Athen, das 404. v. Chr. dem Spartanerkönig Lysander unterliegt. Aber Spartas Sieg war nicht von Dauer, nach einer Zeit des Friedens wurde die Freiheit der Athener durch die Ankunft der Makedonier hinweggefegt wurde. Die Phalanx der Makedonier, geführt von Philipp II. von Makedonien, Vater des berühmten Alexander des Großen, überrannte die Griechen bei Kyrene und gründete ein ausgedehntes Reich. Dies zeigte, wie wichtig nunmehr eine militärische Strategie gewesen wäre, und die Phalanx war ein deutliches Beispiel dafür. Das Erstaunen der Griechen beim Anblick der Menge von Lanzenträgern war nur bezeichnend für ihren militärischen Rückzug.

1.3. Kreta

Auf der Mittelmeerinsel Kreta entwickelte sich um 3000 v. Chr. eine hochstehende Kultur, die nach dem sagenhaften König Minos auch minoische Kultur genannt wurde. Durch die geographische Lage stand diese Kultur in Kontakt mit anderen Hochkulturen (Ägypten, Vorderer Orient). Die Kreter waren hervorragende Baumeister und Künstler. Ihre Kunst strahlte aus auf die gesammte griechische Welt. Sie waren gute Seefahrer und erfanden um 2000 v. Chr. eine eigene Schrift.

1.4. Olympia

Jeden vierten Sommer ereignete sich im klassischen Griechenland Sonderbares: Da mochten die Athener gerade gegen die Spartaner führen oder die Ionier gegen die Thebaner kämpfen, da mochten sich zwei Heere kampfbereit gegenüberstehen, da mochten Städte belagert, eingenommen und geplündert werden - als ginge sie das alles nichts an, zogen die jungen Athener, junge Spartaner und andere junge Männer aus allen Teilen Griechenlands an kämpfenden Heeren und belagerten Städten vorbei, nach Olympia, einer Kultstätte des Zeus, 260 km nordwestlich von Athen. Denn dort fand wieder einmal das große Fest statt, und solange es dauerte, herrschte Frieden in der Umgebung des Heiligen Haines. Alle Teilnehmer des Festes hatten auf dem Weg nach und von Olympia absolut freies Geleit; die Kriege in entfernteren Regionen dagegen durften weitergeführt werden. Die Athleten nahmen an verschiedenen Wettkämpfen teil, wie z. B. Wagenrennen, Ringkampf, Diskuswerfen und Speerwerfen. Als Siegespreis erhielten die Gewinner nur einen Ölzweig um die Stirn gelegt. Den Zweig schnitt ein einheimischer Knabe mit einer goldenen Schere von einem Olivenbaum, den angeblich der Zeus-Sohn Herakles gepflanzt haben soll. Damit wurde ausgedrückt, daß dieser Preis nicht von Menschen, sondern von Zeus selber verliehen wurde. So wurden die Spiele in fast unveränderter Form über 1100 Jahre lang durchgeführt, die einzige Änderung bestand darin, daß etwa ab Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. neben den Ölzweigen große Geldprämien zu gewinnen waren. Dann hielt das Christentum Einzug in der griechischen Welt, der Gedanke an Zeus trat in den Hintergrund. Im Jahr 393 n. Chr. verbot der christliche Kaiser Theodosius 1. die Olympischen Spiele als heidnischen Kult.