Der Beginn des Kalten Krieges
 

1. Containmentpolitik - Der Anfang vom Ende


1.1. Die Trumandoktrin

Als Eindämmungs- oder Containmentpolitik wird die 1946/47 konzipierte Politik der USA bezeichnet. Ein Bestandteil dieser Politik war die Truman-Doktrin, eine Rede, die der amerikanische Präsident Truman am 12. März 1947 vor dem amerikanischen Kongress hielt. In ihr heißt es: "Zum jetzigen Zeitpunkt in der Weltgeschichte muss fast jede Nation zwischen alternativen Lebensformen wählen. ... Ich glaube, es muss die Politik der Vereinigten Staaten sein, freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen. Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie ihre Geschicke selbst bestimmen können. Unter einem solchen Beistand verstehe ich vor allem wirtschaftliche und finanzielle Hilfe, die die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und geordnete politische Verhältnisse bildet." Mit "alternativen Lebensformen" sind in diesem Zusammenhang der Kommunismus und die Demokratie im westlichen Sinne gemeint. Das Ziel der Containment-Politik war es, eine weitere Ausbreitung des Kommunismus auf noch nicht kommunistische Staaten in Europa durch wirtschaftliche und finanzielle Hilfe für ebendiese Staaten durch die USA zu verhindern. Damit erhoben die USA weltweiten Führungsanspruch und gaben die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion endgültig auf.

1.2. Der Marshallplan

Die ökonomische Ergänzung zur Truman-Doktrin stellte der Marshallplan dar. Am 5. Juni 1947 kündigte der amerikanische Außenminister George Marshall das ERP (European Recovery Programme), ein Programm zum Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft, auch Marshallplan genannt, an. Der Marshallplan umfasste Sachlieferungen, vor allem Geschenke von Lebensmitteln und Rohstoffen, sowie Kredite. Anfangs waren sowohl die Ostblockstaaten als auch die Sowjetunion an diesem Programm interessiert. Allerdings lehnte die Sowjetunion einen Austausch von Informationen mit den USA, der für die Wirtschaftshilfe erforderlich war, ab. Weiterhin befürchtete sie, dass Osteuropa in die Rolle eines Lieferanten von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten gedrängt werden sollte. Die UdSSR brach deswegen die Verhandlungen ab und zwang auch die anderen Ostblockstaaten, ihre Zusagen zurückzunehmen. Wegen dieser Ablehnung der Mitarbeit durch die Ostblockländer blieb der Marshallplan auf die nicht-kommunistischen Staaten Europas beschränkt, wie zum Beispiel Belgien, die BRD, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und die Türkei. Bis 1951 erhielten die westeuropäischen Staaten insgesamt 13 Milliarden Dollar. Dieses Geld ermöglichte einen schnellen Wiederaufbau. Mit dem Marshallplan war der Weg der drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands ins westliche Lager vorgezeichnet.

1.3. Die Währungsreform

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges drohte in Deutschland eine Inflation. Diese war bisher durch die nationalsozialistische Kriegswirtschaft zurückgestaut worden. Durch den Wegfall der Rüstungsindustrie drohte nun ihr Ausbruch. Da die Geschäftsleute in Deutschland sich dessen bewusst gewesen waren, hatten sie es vorgezogen, ihre Güter nicht zu verkaufen sondern stattdessen zu horten. Um eine Inflation und eine damit verbundene Wirtschaftskrise in den westlichen Besatzungszonen zu verhindern, kam es am 21. Juni 1948 in der westlichen Besatzungszone zu einer Währungsreform, bei der die Reichsmark um 10:1 abgewertet und durch die Deutsche Mark (DM) ersetzt wurde. Sofort gab es lang entbehrte Konsumgüter wieder zu kaufen. Die neue Währung im westlichen Teil Deutschlands bedeutete eine Auseinanderentwicklung der westlichen und der Sowjetischen Besatzungszone. Sie war ein Schritt auf dem Weg zur Teilung Deutschlands.

1.4. Die Berliner Blockade

Als die Westalliierten die Gründung eines Weststaates nunmehr energisch betrieben, glaubten die Sowjets, sie könnten der Politik des Westens in Berlin ein Ende bereiten. Sie errichteten die Berliner Blockade, als die westdeutsche Währung auch in den Westsektoren Berlins eingeführt werden sollte. Sie schalteten ab dem 24. Juni 1948 die Stromversorgung Westberlins ab und unterbanden den gesamten Personen- und Güterverkehr auf dem Land- und Wasserweg zwischen Westdeutschland und Berlin wegen angeblicher technischer Schwierigkeiten. Marshall Solowski, der Oberste Chef der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) erklärte dem amerikanischen Militärgouverneur Clay ganz unverblümt, "die technischen Schwierigkeiten würden solange anhalten, bis wir unsere Pläne für eine westdeutsche Regierung begraben hätten." . Die Luftkorridore stellten die einzige vertraglich abgesicherte Verbindung dar und somit beschlossen die USA und Großbritannien die 2,2 Millionen Menschen in der abgeriegelten Stadt über eine Luftbrücke zu versorgen. Clay hatte schon im April 1948 seine Lageeinschätzung nach Washington übermittelt: "Wenn Berlin fällt, folgt Westdeutschland als nächstes. Wenn wir beabsichtigen, Europa gegen den Kommunismus zu halten, dürfen wir uns nicht von der Stelle rühren,". Entgegen der Erwartungen der Sowjets, die Luftbrücke würde nicht funktionieren, entwickelte sich das größte Unternehmen der deutschen Luftfahrt. In fast 200.000 Flügen wurden insgesamt 1.44 Millionen Tonnen Kohle und Lebensmittel eingeflogen. Der offensichtliche Fehlschlag ihrer Blockade sowie die Wirkung einer Gegenblockade, mit der die Westmächte seit dem 24. Juni 1948 die Ostzone von Kohle- und Stahllieferungen aus der Bizone abgeschnitten hatte, veranlasste die Sowjets zum Einlenken. Am 12. Mai 1949 wurden Blockade und Gegenblockade aufgehoben. Mit der Berlin-Blockade erreichten die Sowjets das Gegenteil dessen, was sie angestrebt hatten. Die Weststaatgründung wurde nicht verhindert, sondern noch beschleunigt. Die Luftbrücke aufrechtzuerhalten hatte für die Westalliierten zwar eine große finanzielle Belastung dargestellt, aber andererseits fühlten sich Westberliner und Westalliierte erstmalig als Verbündete. Ergebnis der Berlin-Blockade war auch, dass die Amerikaner stärker als zuvor als die Bewahrer der Freiheit gegenüber einer offenkundigen sowjetischen Bedrohung angesehen wurden, was das Ziel der Containment-Politik war.